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Meilensteine der Medizin – Definition der Blutgruppen

 

© Have a nice day AdobeStock 201155773
Eine Bluttransfusion kann schneller benötigt werden, als man denken möchte. So kann man beispielsweise während einer Operation, bei Bluterkrankungen sowie bei Verletzungen oder inneren Blutungen auf fremdes Blut angewiesen sein. Dass solche Transfusionen heutzutage möglich sind und sogar Leben retten können, wäre undenkbar ohne das Wissen über die verschiedenen Blutgruppen: A, B, 0 und AB. Bereits vor der Entdeckung dieser Blutgruppen wurde Blut von Tieren zu Tieren, von Tieren zu Menschen oder auch von Menschen zu Menschen übertragen. Häufig scheiterten diese frühen Transfusionen jedoch und endeten für die Empfänger des fremden Blutes sogar tödlich.

In manchen Fällen ließ sich Blut also reibungslos mischen, in anderen Fällen traten stattdessen gefährliche Verklumpungen auf. Diesem Phänomen ging Karl Landsteiner auf den Grund und fand schließlich im Jahr 1902 auch die Ursache heraus: Im Blut sind rote Blutkörperchen enthalten. Auf diesen Blutkörperchen sitzen sogenannte Antigene: A, B, AB oder keine. Im flüssigen Teil des menschlichen Blutes, dem Blutplasma, befinden sich wiederum Antikörper, die gegen die Antigene anderer Blutgruppen gerichtet sind. Die Antigene bestimmen die Blutgruppe. Bei A-Antigenen verfügt der Mensch über Blutgruppe A, sind sowohl A- als auch B-Antigene vorhanden, handelt es sich um Blutgruppe AB, usw. .
Menschen mit Blutgruppe A haben gleichzeitig Antikörper gegen Blutgruppe B im Blut, Menschen der Blutgruppe AB verfügen über gar keine Antikörper, während Menschen der Blutgruppe 0 sowohl Antikörper gegen Blutgruppe A als auch gegen Blutgruppe B im Blut haben. Trifft Blut, in dem die Blutkörperchen Antigene aufweisen, auf Blut, in dem die entsprechenden Antikörper vorhanden sind, verbinden sich die Antikörper mit den Antigenen. Es kommt zu Verklumpungen, die Transfusion wird lebensgefährlich.
Landsteiner und seine Mitarbeiter schafften es bis zum Jahr 1902, diese vier Blutgruppen zu identifizieren. Mit diesen Entdeckungen sorgte Landsteiner dafür, dass heutzutage bekannt ist, welche Blutgruppen miteinander kompatibel sind und welche nicht. Da Menschen mit Blutgruppe AB gar keine Antikörper im Blut aufweisen, können ihnen Menschen mit jeder Blutgruppe Blut spenden. Menschen mit den Blutgruppen A oder B können nur Blut aus der eigenen Blutgruppe oder Blut der Gruppe 0 empfangen. Personen mit der Blutgruppe 0 sind wiederum Universalspender, sie können allen anderen Blutgruppen Blut spenden. Benötigen sie jedoch selbst eine Transfusion, muss es wiederum Blut aus der eigenen Blutgruppe sein.

Auf Basis von Landsteiners Entdeckung wurde wenige Jahre später, 1907, in New York die erste erfolgreiche Transfusion durchgeführt. Landsteiner erhielt für seine Forschung im Jahr 1930 den Nobelpreis. An Bedeutung gewann seine Arbeit jedoch schon vorher, denn bereits während des Ersten Weltkrieges konnte man bei verletzten Soldaten die Blutgruppe bestimmen und ihnen dementsprechend eine korrekte Transfusion verabreichen.
Trotz der Entdeckung der Blutgruppen kam es jedoch immer noch vor, dass bei Bluttransfusionen Komplikationen auftraten, die teilweise tödlich verliefen. Zehn Jahre, nachdem Landsteiner den Nobelpreis erhalten hatte, entdeckte er zusammen mit Levine und Wiener den nächsten entscheidenden Aspekt bei der Kompatibilität von Blutspenden: den sogenannten Rhesusfaktor, der als Erstes bei Rhesusaffen nachgewiesen wurde. Dabei handelt es sich nicht um eine weitere Blutgruppe. Menschen können zum Beispiel Blutgruppe A haben und Rhesus-negativ sein oder Rhesus-positiv. Der Unterschied liegt darin, dass Personen, die Rhesus-positiv sind, über ein Antigen auf den roten Blutkörperchen verfügen, das bei Rhesus-negativen Menschen nicht vorhanden ist. Menschen mit einem negativen Rhesusfaktor dürfen nur Blutspenden von ebenfalls Rhesus-negativen Personen empfangen. Umgekehrt können Rhesus-negative Menschen aber problemlos sowohl Rhesus-positiven als auch Rhesus-negativen Personen Blut spenden.

Inzwischen ist das Wissen über die Blutgruppen bedeutend größer als zu Landsteiners Zeiten. Es lassen sich noch deutlich mehr Blutgruppen nach verschiedenen Systemen unterscheiden. Außerdem weiß man heute einiges über die Häufigkeit von Blutgruppen: Die meisten Menschen in Mitteleuropa haben einen positiven Rhesusfaktor, die häufigsten Blutgruppen sind A positiv und 0 positiv. Danach folgt mit einem deutlich kleineren Anteil B positiv, hier sind es schon weniger als ein Zehntel der Menschen, die über diese Blutgruppe verfügen. Alle anderen Blutgruppen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich, AB negativ ist die seltenste Blutgruppe mit gerade einmal einem Prozent. Um auch über genug Blutkonserven von seltenen Blutgruppen zu verfügen, sind gerade Menschen mit diesen seltenen Gruppen besonders aufgerufen, zur Blutspende zu gehen.
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